Wir sind Helden
Ich weiß gar nicht in welche der Blogkategorien ich folgendes setzen soll, aber es hat mich motiviert, inspiriert und eine so schüttelnde Emotion ausgelöst, dass ich es für mich unter INSPIRATION abhefte, auch wenn es mit Kommunikation ebenso wie mit Gedanken zu tun hat, die ich mir mache.
Ich habe untenstehenden Text eben mehrfach gelesen, weil ich es einfach nicht glauben kann, dass jemand öffentlich so klare Worte findet. "Wir sind Helden" haben ihrem Bandnamen, in meinen Augen, alle Ehre gemacht und sind mit dieser klaren Ansage und offenen Aussprache Ihrer Meinung in meine persönliche Heldenarena eingezogen.
Ich weiß, ich weiß, man sollte keine Kampfansagen machen, sich nicht aufregen, ruhig bleiben etc. BULLSHIT... Eine Meinung haben, diese klar und ohne "wie vermarkte ich das am besten"-Gedanken auszudrücken ist selten geworden (eben aus Angst man würde hier und da Anecken, Streit provozieren, jemanden verletzten - und warum das alles für eine bekloppte Zeitung, die man vielleicht nicht einmal liest!)
Sachverhalte und Meinungen möglichst schwammig auszudrücken, machen wir alle immer häufiger heutzutage (vor allem mit wachsenden Position in Unternehmen und Politik) Harmonie ist "IN" - stimme ich ja auch
grundsätzlich zu aber manchmal ... ihr wisst schon...
Wie schon Uli Wickert sagte:
Gauner muss man Gauner nennen: Von der Sehnsucht nach verlässlichen Werten!!!
Genau diese WERTE scheinen hier und da abhanden gekommen ... DANKE AN "WIR SIND HELDEN" an dieser Stelle!
Folgenden Artikel habe ich kopiert und hier eingesetzt. Den Originaltext findest du unter dem link hier
“Ich glaube, es hackt”: Wie “Wir sind Helden” der Bild und Jung von Matt Saures gibt
Mit unverhohlener Schadenfreude begleitet das Web eine Generalabrechnung der Pop-Band „Wir sind Helden“ gegen „Bild“ und die Werbeagentur Jung von Matt. Die hatte bei der Band und Frontfrau Judith Holofernes angefragt, ob sie als Testimonial für die „Bild“-Kampagne antreten wollen. Die Absage kam per offenem Brief im Blog der Band. Die Website von „Wir sind Helden“ brach zwischenzeitlich unter dem Ansturm der Leser zusammen.
In der „Bild“-Kampagne von Jung von Matt werben Prominente mit teils launigen Sprüchen für das Blatt. In der Bekenner-Kampagne für Springers Boulevardblatt sagen Stars wie Thomas Gottschalk, Philipp Lahm, Richard von Weizsäcker und Til Schweiger dem Blatt ihre „ehrliche und unentgeltliche Meinung“. Vor diesen Karren wollte sich die Band nicht spannen lassen. „Ich glaube, es hackt“ lautet das Fazit des Blogbeitrages, in dem Frontfrau Judith Holofernes („Reklamationen“, „Guten Tag“) ihre Position deutlich macht.
Nach einem vergifteten Lob („Selten hat eine Werbekampagne so geschickt mit der Dummheit auf allen Seiten gespielt“) heißt es dort unter anderem an Jung von Matt: “Die BILD -Zeitung ist kein augenzwinkernd zu betrachtendes Trash -Kulturgut und kein harmloses “Guilty Pleasure” für wohlfrisierte Aufstreber, keine witzige soziale Referenz und kein Lifestyle -Zitat. Und schon gar nicht ist die Bild -Zeitung das, als was ihr sie verkaufen wollt: Hassgeliebtes, aber weitestgehend harmloses Inventar eines eigentlich viel schlaueren Deutschlands.
Und weiter: „Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument – nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.“
Da der Server gegewärtig weiter down ist, dokumentiert otr den Brief hier vorläufig im Wortlaut:
DIE ANFRAGE
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir sind als Werbeagentur mit der aktuellen BILD-Kampagne betraut, in der wir hochkarätigen Prominenten eine Bühne bieten, ihre offene, ehrliche und ungeschönte Meinung zur BILD mitzuteilen.
Derzeit planen wir die nächste Produktionsphase für Frühjahr 2011. Die neu zu produzierenden TV- und Kinospots sowie Plakat- und Anzeigenmotive sollen die bestehenden Motive von Veronica Ferres, Thomas Gottschalk, Philipp Lahm, Richard von Weizsäcker, Mario Barth u.v.m. ergänzen.
Für diese Fortführung der Kampagne möchten wir sehr gern “Wir sind Helden” gewinnen.
Das schöne an der Kampagne ist, dass sie einem guten Zweck zu Gute kommt. BILD spendet in Namen jedes Prominenten 10.000,- Euro an einen von Ihnen zu bestimmenden Zweck.
Lassen Sie uns gern telefonieren und die Details besprechen. Zur Detailinformation senden wir Ihnen bereits heute anbei einige weiterführende Informationen.
Ich freue mich dazu von Ihnen zu hören.
Herzliche Grüße aus Hamburg,
Jung von Matt/Alster Werbeagentur GmbH
DIE ANTWORT
Liebe Werbeagentur Jung von Matt,
bzgl. Eurer Anfrage, ob wir bei der aktuellen Bild -Kampagne mitmachen wollen:
Ich glaub, es hackt.
Die laufende Plakat -Aktion der Bild -Zeitung mit sogenannten Testimonials, also irgendwelchem kommentierendem Geseiere (Auch kritischem! Hört, hört!) von sogenannten Prominenten (auch Kritischen! Oho!) ist das Perfideste, was mir seit langer Zeit untergekommen ist. Will heißen: nach Euren Maßstäben sicher eine gelungene Aktion.
Selten hat eine Werbekampagne so geschickt mit der Dummheit auf allen Seiten gespielt. Da sind auf der einen Seite die Promis, die sich denken: Hmm, die Bildzeitung, mal ehrlich, das lesen schon wahnsinnig viele Leute, das wär schon schick… Aber irgendwie geht das eigentlich nicht, ne, weil ist ja irgendwie unter meinem Niveau/ evil/ zu sichtbar berechnend… Und dann kommt ihr, liebe Agentur, und baut diesen armen gespaltenen Prominenten eine Brücke, eine wackelige, glitschige, aber hey, was soll´s, auf der anderen Seite liegt, sagen wir mal, eine Tüte Gummibärchen. Ihr sagt jenen Promis: wisst ihr was, ihr kriegt einfach kein Geld! Wir spenden einfach ein bisschen Kohle in eurem Namen, dann passt das schon, weil, wer spendet, der kann kein Ego haben, verstehste? Und außerdem, pass auf, jetzt kommt´s: ihr könnt sagen, WAS IHR WOLLT!
Und dann denken sich diese Promis, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, irgendeine pseudo -distanziertes Gewäsch aus, irgendwas “total Spitzfindiges”, oder Clever- Unverbindliches, oder Überhebliches, oder… Und glauben, so kämen sie aus der Nummer raus, ohne ihr Gesicht zu verlieren. Und haben trotzdem unheimlich viele saudumme Menschen erreicht! Hurra.
Auf der anderen Seite, das erklärt sich von selbst, der Rezipient, der saudumme, der sich denkt: Mensch, diese Bild -Zeitung, die traut sich was.
Und, die dritte Seite: Ihr, liebe jungdynamische Menschen, die ihr, zumindest in einem sehr spezialisierten Teil eures Gehirns, genau wisst, was ihr tut. Außer vielleicht, wenn ihr auf die Idee kommt, “Wir sind Helden” für die Kampagne anzufragen, weil, mal ehrlich, das wäre doch total lustig, wenn ausgerechnet die…
Das Problem dabei: ich hab wahrscheinlich mit der Hälfte von euch studiert, und ich weiß, dass ihr im ersten Semester lernt, dass das Medium die Botschaft ist. Oder, noch mal anders gesagt, dass es kein “Gutes im Schlechten” gibt. Das heißt: ich weiß, dass ihr wisst, und ich weiß, dass ihr drauf scheißt.
Die BILD -Zeitung ist kein augenzwinkernd zu betrachtendes Trash -Kulturgut und kein harmloses “Guilty Pleasure” für wohlfrisierte Aufstreber, keine witzige soziale Referenz und kein Lifestyle -Zitat. Und schon gar nicht ist die Bild -Zeitung das, als was ihr sie verkaufen wollt: Hassgeliebtes, aber weitestgehend harmloses Inventar eines eigentlich viel schlaueren Deutschlands.
Die Bildzeitung ist ein gefährliches politisches Instrument – nicht nur ein stark vergrößerndes Fernrohr in den Abgrund, sondern ein bösartiges Wesen, das Deutschland nicht beschreibt, sondern macht. Mit einer Agenda.
In der Gefahr, dass ich mich wiederhole: ich glaub es hackt.
Mit höflichen Grüßen,
Judith Holofernes